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    Spanien & Handwerk · Modaleen Redaktion

    Granada und Fajalauza: Eine eigenständige andalusische Keramiktradition

    Wie die Fajalauza-Tradition in Granada aus älteren nasridischen und moriskischen Linien hervorging und sich nach 1492 weiterentwickelte.
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    Dieser Beitrag ist Teil des modaleen-Dossiers „Spanien & Handwerk“. Den größeren historischen Rahmen findest du in „Spanische Keramik: Geschichte von al-Andalus bis Manises“.

    Bei spanischer Keramik wird häufig zuerst an Valencia, Manises oder sevillanische Azulejos gedacht. Granada besitzt jedoch eine eigene, sehr erkennbare Tradition: die Keramik, die heute unter dem Namen Fajalauza zusammengefasst wird. Ihre Geschichte zeigt besonders gut, wie schwierig das Wort „Tradition“ sein kann – denn Kontinuität bedeutet hier zugleich Veränderung.

    Was bezeichnet Fajalauza?

    Nach einer Publikation der Junta de Andalucía wird in Granada seit dem frühen 16. Jahrhundert eine populäre Keramik hergestellt, die über die Jahrhunderte eine eigenständige Persönlichkeit bewahrt hat. Der Name Fajalauza wurde allerdings erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein für diese Keramik verwendet.

    Der Grund ist geografisch: Zahlreiche Töpfereien lagen in der Nähe der Puerta de Fajalauza im Albaicín. Der heute bekannte Traditionsname ist also jünger als ein großer Teil der Produktion, die er rückblickend bezeichnet.

    Nasridische und moriskische Wurzeln

    Die Junta de Andalucía führt die Ursprünge wahrscheinlich auf nasridische und moriskische Keramiktraditionen zurück, die in Granada in den Jahrzehnten nach der Eroberung durch die Katholischen Könige 1492 weiterbestanden. Auch die 2018 eingetragene Fundación Cerámica Fajalauza beschreibt das Erbe ausdrücklich als von klar moriskischem Ursprung.

    Wichtig ist die vorsichtige Formulierung: Das bedeutet nicht, dass jedes heutige Fajalauza-Stück unverändert mittelalterliche Formen reproduziert. Die Quellen sprechen gerade von Entwicklung, Anpassung und Mutation.

    1492 war kein gestalterischer Nullpunkt

    Mit der Eingliederung Granadas in die christlichen Reiche veränderten sich soziale Bedingungen, Auftraggeber und Nutzungsgewohnheiten. Manche Formen und Dekore verschwanden, andere blieben bestehen oder wurden an einen christlichen Geschmack angepasst, der seinerseits stark von Mudéjar-Ästhetik geprägt war.

    Genau dieses Nebeneinander macht Fajalauza interessant. Die Keramik ist weder einfach „nasridisch“ noch ausschließlich ein Produkt der Neuzeit. Sie entstand aus langen lokalen Transformationsprozessen.

    Regionale Identität statt allgemeinem Andalusien-Look

    Fajalauza erinnert daran, dass Andalusien keine einheitliche Keramikästhetik besitzt. Granada entwickelte andere Formen und Farbwelten als das Keramikzentrum Triana in Sevilla. Beide Regionen teilen historische Verflechtungen, sind aber nicht austauschbar.

    Gerade für moderne Produktwelten ist diese Unterscheidung wichtig. Ein dekoratives Objekt kann „spanisch“ oder „mediterran“ wirken, ohne deshalb Teil einer konkreten Fajalauza-Tradition zu sein. Bei modaleen trennen wir deshalb bewusst zwischen belegbarer Herkunft und gestalterischer Inspiration.

    Warum lebendiges Handwerk nie statisch ist

    Traditionen bleiben nicht dadurch lebendig, dass über Jahrhunderte exakt dasselbe produziert wird. Sie überleben durch Werkstätten, Familien, Märkte, neue Nutzungen und Anpassungen. Die lange Geschichte der Fajalauza-Keramik ist gerade deshalb spannend, weil sie Veränderungen nicht ausschließt.

    Wer den älteren Hintergrund dieser Entwicklung verstehen möchte, findet ihn in unserem Beitrag „al-Andalus und Keramik“.

    Quellen & Weiterlesen

    Bildnachweis Titelbild: drei Stücke Fajalauza-Keramik aus Granada. Foto: Arantxa H. Etxeverría, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Unverändert als Motiv eingebunden. Quelldatei.

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